[Rezension] "Das Sommerversprechen" von Elin Hilderbrand

Klappentext:
Seit mehr als einem Vierteljahrhundert leitet die 48-jährige Dabney die Handelskammer von Nantucket, und jeder kennt und liebt sie. Nicht nur wegen ihres Postens, sondern vor allem, weil sie die inoffizielle Heiratsvermittlerin der Insel ist: Dabney hat schon über vierzig Paare zusammengeführt. Seit ihrer Jugend erkennt sie, ob zwei Menschen zueinander passen. Doch als Dabney erfährt, dass sie Krebs und nur noch wenige Monate zu leben hat, beschließt sie, diese Zeit darauf zu verwenden, die richtigen Partner für die Menschen zu finden, die sie am meisten liebt: für ihren Ehemann, ihren Liebhaber und für ihre Tochter. Die Frage ist nur, was die drei selbst davon halten ...


Meine Meinung:
Da Elin Hilderbrand eigentlich immer Garantin für tolle Sommerromane ist, war ich auf diesen natürlich schon sehr gespannt. Allerdings muss ich gestehen, dass mir dieser Roman dieses Mal nicht so ganz an Herz gewachsen ist, was vor allem an der etwas farblosen und meiner Meinung nach zu egozentrischen Hauptfigur Dabney liegt.
Dabney lebt schon seit Jahrzehnten auf Nantucket, der Insel auf der sie auch aufgewachsen ist und die sie nur fürs Studium verlassen hat. Seit ihrer Jugend hat sie eine Gabe: Sie erkennt, ob zwei Menschen füreinander bestimmt sind, oder eben nicht. Falls ja, sieht sie rosa Nebel vor ihren Augen, ansonsten grünen. Aufgrund ihrer Gabe gilt sie als inoffizielle Hochzeitsvermittlerin der Insel. Es scheint fast so, als hätte sie alle glücklich vermittelt nur sich selbst nicht. Dabney ist mit dem Uniprofessor Box verheiratet, als Clendenin (kurz Clen), ihre große Jugendliebe und Vater ihrer Tochter Agnes nach über 25 Jahren wieder auf der Insel auftaucht. Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden fangen wieder eine Affaire an, welche natürlich irgendwann auch auffliegt.
Als Dabney erfährt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist, versucht sie die passenden Partner für ihre Lieben zu finden und ist dabei auch im Grunde bereit "über Leichen zu gehen".

Von der Handlung her, könnte dies ein wundervoller Roman sein, zumal er auch noch in traumhafter Kulisse spielt. Allerdings ist er dies nicht so ganz. Zum Einen liegt es an der Hauptfigur Agnes, die mir bis zum Ende hin eher unsympathisch war. Sie steht gerne im Mittelpunkt und erwartet im Grunde immer, dass alles so gemacht wird, wie sie es sich vorstellt. Ich habe auch bis zum Ende nicht so ganz verstanden, warum sie die Insel nicht verlassen kann (immerhin hat sie es fürs Studium ja auch getan). Zwar gab es ein einschneidendes Ereignis in ihrer Kindheit. Aber dies war mir nicht Grund genug.
Zum Anderen fehlte mir die echte Spannung. Zwar kommt es zwischendurch zu einigen leichten Spannungen zwischen den Charakteren. Jedoch wartet Hilderbrand hier mit der richtigen Eskalation bis kurz vorm Ende. Ich hätte mir hier mehr Auseinandersetzungen gewünscht, insbesondere da Dabney den Verlobten ihrer Tochter nicht ausstehen kann. Selbst als es zu kurzen Differenzen zwischen Mutter und Tochter kommt, ebben diese relativ schnell wieder ab.

Während ich so meine Probleme mit der Hauptfigur hatte, kam ich mit den Nebenfiguren umso besser klar. Insbesondere Agnes ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen, auch wenn sie meiner Meinung nach den falschen Männergeschmack (ihr Verlobter ist echt ein A...loch). Die Unterschiedlichkeiten zwischen Box und Clen fand ich zum einen zwar etwas verwunderlich, jedoch im Verlauf der Handlung auch wieder sinnvoll. Die Nebenfiguren hatten mehr Ecken und Kanten wie Dabney, wodurch sie lebensnah erscheinen.

Aufgewertet wird die ganze Handlung allerdings immer wieder von Berichten von vermittelten Pärchen, bei denen sich immer wieder die Dankbarkeit Dabneys herauskristallisiert, sie immer eher zufällig vermittelt zu haben. Diese Berichte sind durchaus liebevoll beschrieben, so dass Dabney in diesen Szenen ein wenig ins rechte Licht gerückt wurde. Während hier eher als im Hintergrund agierende auftritt, wirkt sie in der restlichen allgemeinen Handlung eher wie eine Person, die mit der Tür ins Haus fällt. Dies fand ich zum Einen zwar auch ein wenig widersprüchlich, sorgt aber immerhin dafür, dass der Hauptfigur dadurch etwas mehr Menschlichkeit eingehaucht wurde.

Dies ist zwar kein schlechter Sommerroman. Die tollen Umgebungsbeschreibungen der Insel werten alleine die Handlung schon ein wenig auf. Allerdings bin ich von Hilderbrand sonst besseres gewöhnt.
Es tut mir fast leid es sagen zu müssen, aber dieser Roman verdient meiner Meinung nach dieses Mal nur durchschnittliche 3 (von 5) Punkte.

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