[Rezension] "Ich bin der Zorn" von Ethan Cross

Buchinformationen: (Quelle: https://www.luebbe.de)

10,90 €
BASTEI LÜBBE
TASCHENBUCH
THRILLER
495 SEITEN
ISBN: 978-3-404-17421-8
ERSTERSCHEINUNG: 11.11.2016


Autoreninfo: (Quelle: https://www.luebbe.de)

Ethan Cross ist das Pseudonym des amerikanischen Thriller-Autors, der eigentlich Aaron Brown heißt.
Schon immer war er fasziniert von Geschichten und wusste bereits früh, dass er Schriftsteller sein will. Bereits zu Schulzeiten schreib er ein komplettes Drehbuch und versuchte auch in der Filmindustrie Fuß zu fassen. Doch seine Liebe zur Musik war damals stärker. Er lebte diesen Traum als Sänger und Gitarrist, doch das Schreiben ließ ihn nie los.
Seinen ersten Thriller „The Shepherd“ veröffentlicht er schließlich 2011. Zwei Jahre später erscheint das Buch in Deutschland unter dem Titel „Ich bin die Nacht“. Damit beginnt eine erfolgreiche Thriller-Reihe um die ungleichen Protagonisten Francis Ackerman junior und Marcus Williams.
Ethan Cross lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Illinois, USA.


Klappentext:

In einer Strafanstalt in Arizona ereignet sich ein blutiger Amoklauf. Scheinbar wahllos erschießt ein Gefängniswärter mehrere Menschen. Zu seinem Motiv schweigt er. Das ruft Bundesermittler Marcus Williams auf den Plan. Rasch findet er heraus, dass der Wärter von einem psychopathischen Killer erpresst wurde, der sich selbst Judas nennt. Um die Identität des Judaskillers aufzudecken, tut Marcus sich erneut mit seinem Bruder Francis Ackerman jr. zusammen, dem berüchtigtsten Serienkiller der Gegenwart:  Marcus ermittelt außerhalb der Gefängnismauern, Ackerman jr. undercover unter den Häftlingen. Was beide nicht ahnen: Der Judaskiller verfolgt weitaus größere Ziele als nur ein paar Morde …


Meine Meinung:

Obwohl ich eigentlich ja nicht die typische Thrillerleserin bin, hat Ethan Cross mich bereits mit seinem ersten Band "Ich bin die Nacht" in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Daher war ich auch froh, dass ich den Roman im Rahmen einer Leserunde bei lovelybooks gewann,
Kaum hatte ich es in meinen Händen, musste ich auch schon loslesen. Und was soll ich sagen: Ethan Cross bleibt weiterhin spannend, wenn auch hier mit leichten Abstrichen.

In diesem Roman sollen Marcus und Ackerman den Amoklauf in einem neuartigen Gefängnismodell ermitteln. Francis Ackermann wird dabei undercover als Gefangener im Gefängnis eingeschleust, während Marcus wie gewohnt von außen ermittelt. Beide haben leichte Probleme mit ihrer jeweiligen Rolle: Ackerman zum Einen, weil er sich bedeckt halten soll, etwas was ihm als Psychopat extrem schwer fällt. Und Marcus scheint nach den Ereignissen der letzten Zeit ein wenig an Energie verloren zu haben. Aber beide gehen vor, wie man es von ihnen gewohnt ist: Jeder auf seine eigensinnige Art und nicht immer ganz regelkonform!
Bei ihren Ermittlungen stoßen sie aus einem Netz aus dunklen Machenschaften, das vom düsteren Psychokiller Judas gesponnen wurde und immer größere Kreise zieht. Mehr als einmal geht es um Leben und Tod. Und auch wenn man ahnt, dass es für die meisten Beteiligten (zumindest die, auf die es ankommt, wie Marcus, Ackermann und Maggie) gut ausgeht, fiebert man richtig mit.
Unterstützt wird der Judaskiller von seinem "Diener" Demon. Demon kommt echt geistesgestört rüber, so dass man fast ins Grübeln kommt, wer schlimmer ist: Demon oder Judas?!

Ethan Cross bleibt seinem Erzählstil auch in diesem Roman auf jeden Fall treu und vermittelt von Anfang an eine tolle, wenn auch düstere Stimmung. Francis Ackerman ist erneut der, den man bereits kennt und überzeugt mit seiner subtilen Trockenheit und seinen Machtspielchen. Auch im vierten Roman bin ich mir immer noch unschlüssig, ob ich ihn wirklich so abartig finden soll, weil er immer wieder auch menschliche Züge zeigt. Aber ich finde gerade das macht ihn aus und erzeugt Spannung.
Ich muss aber auch gestehen, dass ich insbesondere bei den neuen Figuren, die ich noch nicht aus den vorherigen Bänden kannte bzw. dort nicht eine so große Rolle spielten, anfangs ein wenig durcheinander kam. Aber das legt sich nach einer Weile und man hat ein Bild von den Figuren vor Augen. Insbesondere Judas scheint auf jeden Fall hochintelligent und durch seine Vergangenheit äußerst willensstark zu sein. Auch wenn ich bereits frühzeitig eine Ahnung hatte, wer sich hinter dem Killer verbarg, blieben immer noch starke Überraschungsmomente. Judas ist ein echter Psychopat und hat sich echt fiese Spielchen ausgedacht, die die Beteiligten zu bestreiten haben. Ich denke Judas und Francis Ackerman sind sich ziemlich ähnlich. Lediglich mit dem Unterschied, dass Francis quasi zum Mörder erzogen wurde und Judas einen angeborenen Trieb hatte.

Man merkt beim Lesen auf jeden Fall schnell, dass jede Figur für sich dabei ist seine Kämpfe auszufechten und sehr viel Zorn in sich spürt. Dies geht bis hin zu eher nebensächlichen Charakteren, wie Marcus Sohn Dylan. Es scheint fast so, als hätte sein Großvater auch ihn zu einem Killer gemacht, so aggressiv er auf Provokationen reagiert. Wobei ich mich auch ein wenig gewundert habe, warum Marcus ihn mitnimmt und zwischenzeitlich einfach im Motelzimmer lässt. Das lässt ihn ja auch nicht wirklich unbeteiligt, oder?! Allerdings ist dies nicht der einzige Kritikpunkt, den ich inhaltlich anbringen möchte, sondern auch die Tatsache, dass Dylans Verhalten am Anfang ziemlich aufgebauscht wird und zu einem späteren Zeitpunkt irgendwie keine Rolle mehr zu spielen scheint.

Ich fand es durchaus vorteilhaft schon die Vorgeschichte von Ackerman und Marcus zu kennen, da man dadurch manches viel besser nachvollziehen kann. Zwischendurch nimmt die Handlung nämlich durchaus auch Bezug auf vorangegangene Ereignisse, wenngleich diese auch eher nur angerissen werden.
Allerdings denke ich, dass das Buch und insbesondere Francis Ackerman auch faszinieren können, wenn man die Vorgeschichte noch nicht kennt.

Ethan Cross beleuchtet mit seinem Roman auch ein neues Gefängniskonzept, bei dem man sich beim Lesen nicht sicher ist, ob man dieses gut finden soll oder nicht?! Auf mich wirkte das Sicherheitssystem des Gefängnisses in jedem Fall etwas befremdlich, da ich mich gefragt habe, wie wenige Wärter nur unterstützt von einem, wie ich durchaus zugeben muss, sehr intelligenten Computersystems so viele Gefangene unter Kontrolle halten kann.

Im Roman verlaufen verschiedene Handlungstränge oftmals ziemlich parallel. Und auch, wenn es auf den ersten Blick manchmal etwas verwirrend erscheint, macht gerade dieser Umstand gerade Sinn, da die Handlungsstränge sich immer wieder überkreuzen und dadurch Verbindungen entstehen.
Ich finde es sogar eher gut, dass vieles gleichzeitig passiert, da dadurch Dramatik aufgebaut wird. Es wirkt dadurch viel realistischer.
Allerdings muss ich durchaus auch sagen, dass die Handlung in diesem Roman durchaus auch leichte inhaltliche Schwächen hat. So finde ich es beispielsweise Ackermans Tarnung ziemlich schlampig. Müsste er nicht alleine schon wegen seines Äußeren identifiziert werden können. Immerhin war er mal einer der meistgesuchten Männer des Landes. Und dann transportiert man ihn zunächst in einer hochgesicherten Kiste, um ihn dann in einen ganz normalen Gefangenentransporter zu überführen?! Schon ein wenig merkwürdig, oder?!

Das Buch endet in einem, meiner Meinung nach, ziemlich offen. Auch wenn Marcus und Francis den Fall scheinbar lösen können, bleiben nicht nur Fragen unbeantwortet, sondern geben durch die Erwähnung eines neuen Killers auch direkten Ausblick auf einen weiteren Roman. 

Insgesamt betrachtet ist dies erneut eine tolle Fortsetzung, wenn auch mit leichtem Abzug. Ethan Cross verbreitet mit Francis Ackerman wieder seine gewohnte Spannung. Dieses Mal allerdings mit leichten Ungereihmtheiten! Daher bekommt das Buch von mir starke 4 (von 5) Punkte

Kommentare:

  1. Guten Morgen,
    mir hat der vierte Teil auch gut gefalllen und ich freu mich auf einen weiteren Teil, auf den man ja dank der kleinen Andeutungen am Ende, hoffen darf :-)

    LG
    Tina

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    1. Hey Tina,

      ja, freue mich auch schon auf einen weiteren Teil. Die Andeutungen waren ja schon ziemlich deutlich. Ich bin in jedem Fall gespannt, wie es weitergeht. :-)

      Lieben Gruß
      Babs

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